World Vision: Situation in Afghanistan verschlechtert sich weiter

Konferenz muss umfangreiche zivile und langfristige Strategie erarbeiten

Im Vorfeld der Afghanistan-Konferenz in Bonn weist die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision darauf hin, dass die Situation in dem Land am Hindukusch sich weiter verschlechtert. „Die Militärstrategie hat nicht den beabsichtigten Erfolg erzielt“, so Ekkehard Forberg, Experte für Friedensförderung und Anwaltschaftsarbeit bei World Vision. „Das größte Versäumnis war es, dass die internationale Gemeinschaft parallel bis heute keine umfangreiche zivile und langfristige Entwicklungsstrategie erarbeitet hat.“ Forberg fordert daher die deutsche Bundesregierung auf, die Konferenz dafür zu nutzen, um diese Strategie zu entwickeln. Auch umfangreiche finanzielle Zusagen müssten gemacht werden, damit entsprechende Maßnahmen langfristig geplant und umgesetzt werden können. „Allein für die Finanzierung der afghanischen Armee werden in Zukunft jährlich 6 Milliarden USD pro Jahr benötigt. Das kann von Afghanistan nicht selber getragen werden. Wir befürchten, dass dies zu Lasten des Wiederaufbaus gehen könnte – und langfristig die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit eher schrumpfen werden. Dabei ist der Bedarf für zivile Projekte in Afghanistan riesig“, so Forberg.

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Seit 2006 hat sich die Lage in Afghanistan von Jahr zu Jahr verschlechtert. In vielen Städten und Ortschaften funktionieren die politischen und wirtschaftlichen Strukturen nur eingeschränkt oder gar nicht. Viel Infrastruktur liegt immer noch am Boden. Trotz gewaltiger Investitionen belasten Armut und die hohe Arbeitslosigkeit das tägliche Leben der Menschen. „Ziviler Wiederaufbau gehört in die Hände von erfahrenen Entwicklungshelfern unter enger Einbeziehung der einheimischen Bevölkerung, die sich im Lande auskennen“, betont Forberg. „Wie wir heute sehen, konnten die umfangreichen Militäraktionen keine Befriedung des Landes erreichen.“ Die Situation in einigen Landesteilen sei im Gegenteil so unsicher, dass sich selbst NGO-Vertreter nicht mehr frei in den Projektregionen bewegen könnten.

Afghanistan ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und die Kindersterblichkeit ist weltweit die höchste. Daher begrüßt World Vision grundsätzlich das Anliegen der Afghanistan-Konferenz, ein langfristiges Engagement der internationalen Gemeinschaft zu befördern.

World Vision arbeitet seit 2001 in Afghanistan und ist in der Entwicklungszusammenarbeit unter anderem im Gesundheits- und Bildungsbereich tätig. So konnte durch den Bau von Schulen und die Ausbildung von Lehrerinnen vielen Kindern, insbesondere Mädchen, der Schulbesuch wieder ermöglicht werden. In Herat wurden zahlreiche Hebammen für den Einsatz in ländlichen Gebieten ausgebildet, in Gesundheitsstationen wurden insbesondere Frauen über HIV/AIDS aufgeklärt. Schwangere und junge Mütter wurden unterrichtet, wie sie sich und ihre Kinder richtig und gesund ernähren können. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes trainierte World Vision mit lokalen Partnern im vergangenen Jahr 25 Gemeinden in der Provinz Badghis in Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement.

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Forberg appelliert an die in Bonn versammelten Politiker und Experten: „Wir brauchen engagierte Politiker mit Weitblick. Bessere zivile Strukturen müssen aufgebaut und die Korruption muss landesweit bekämpft werden. Die Menschen brauchen Arbeit, gute Bildung und Hoffnung für eine friedliche Zukunft in ihrem Land. Mit Gewalt können keine positiven Veränderungen in den Köpfen der Menschen erreicht werden.“

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