Das Plagiat im Wandel der Zeit

Das Phänomen des Plagiats ist schon ziemlich alt und scheint sich auf den ersten Blick überhaupt nicht gewandelt zu haben. In der Antike schon warf man sich gegenseitig Ideen-Diebstahl vor und nichts anderes ist auch heute gemeint, wenn der Aufschrei heißt: „Plagiat!“

Ein solcher richtet sich im 21. Jahrhundert nicht milder gegen Joanne K. Rowling oder Frank Schätzing als 430 v. Chr. gegen Aristophanes. Unsere ethische Einordnung des Plagiats scheint im Großen und Ganzen gefestigt. Das liegt im Wesen des Begriffs. Ein Plagiat ist der Raub! gedanklichen Eigentums und muss schlecht, faul, verwerflich sein. Selbst unsere moralische Beurteilung unterliegt nur kleineren Schwankungen. Gut, seit zu Guttenberg abgedoktert hat, ist es mit dem Plagiat ein wenig schlimmer geworden, aber das sind historische Nichtigkeiten.

Historische Wichtigkeiten

Denken wir zum Beispiel an das Mittelalter. Düstere Phase. Verbannung, Verbrennung, wo man hinschaut. Was für eine Weltanschauung! Nun verbrachten aber mittelalterliche Mönche zum Teil ihr ganzes Leben damit, Werke anderer abzuschreiben, ohne verbannt oder verbrannt zu werden. Von Plagiat keine Rede. Warum denn nicht? Gott als einzig denkbarer Eigentümer stand dieser Vorstellung im Wege. Der Begriff Plagiat wurde zu nonsense.

Die Gegenwart: Das Plagiat erlebte mit der Einführung des Urheberrechts seine Renaissance und führt nunmehr ein höchst komplexes Dasein. Herauszustellen, in welchen Fällen heute tatsächlich von Plagiat gesprochen werden kann, ist eine lebensfüllende juristische Aufgabe und ohne aufwendige Plagiatsprüfung durch spezielle Software nicht möglich. Eine Melodie beispielsweise kann gar nicht mehr mir nichts dir nichts neu erfunden werden. Egal, welche Noten man wie kombiniert – es heißt, ganze acht Takte gleichen anderen acht Takten der Musikerde wie das Ei dem anderen. Gesetze und ihre Auslegung verfolgen das Plagiat heute mit großer Anstrengung. Vor allem an den Unis muss man sich hüten. Nach dem Prinzip „zweimal ist einmal zu viel“ bleibt bei Wiederholungsplagiat kein Schein gewahrt.

Und denken wir nun an die Zukunft. Was wird in – und um Himmels Willen erst nach – der Postmoderne aus dem Urheberrecht. Was wird aus dem Plagiat? Kann ein solcher Begriff sich in den technischen Wirren einer Massenkommunikation halten? Können Sätze, Aussagen, Gedanken im Zeitalter des Internets und weiterer Errungenschaften zuverlässig geschützt werden? Erscheint dies überhaupt sinnvoll? Wird gedankliches Eigentum demokratischere Wege gehen müssen? Wer die Augen vor der technischen Entwicklung und ihren Folgen für das Urheberrecht verschließt, der wird in seiner Blindheit bald kein Plagiat mehr finden können. Würde er es müssen? Die Zeichen der Zeit deuten in eine Richtung.

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